Gute Nachrichten

Das Wohnprojekt, das die Mieten abgeschafft hat: 88 Cent pro Jahr

In Höhenrain bei MĂŒnchen haben 40 Familien gemeinsam ein Wohnmodell entwickelt, das den Markt umgeht – und Wohnen wieder leistbar macht. Wie das Modell funktioniert, und warum es sich nicht einfach kopieren lĂ€sst.

Gemeinschaftliches Wohnprojekt mit Gartenbereich

Gemeinschaftliches Wohnen als Antwort auf den ĂŒberhitzten Wohnungsmarkt – in einigen deutschen Regionen funktioniert das bereits. Foto: Unsplash

Die Antwort auf die Frage, wie viel Miete Markus Brunner im Jahr zahlt, klingt wie ein Tippfehler: 88 Cent. Nicht pro Stunde. Nicht pro Woche. Pro Jahr. Brunner, 47, Tischler und Vater zweier Kinder, wohnt seit 2019 in Höhenrain, einer kleinen Gemeinde sĂŒdlich von MĂŒnchen, in einem 95-Quadratmeter-Haus mit Garten. Und er zahlt tatsĂ€chlich weniger als einen Euro Miete im Jahr.

Möglich macht das die Wohngenossenschaft Höhenrain eG – ein Modell, das vor sieben Jahren von 40 Familien gegrĂŒndet wurde und das seither immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. Die Grundidee ist einfach: Statt Wohnungen am freien Markt zu kaufen oder zu mieten, erwerben Bewohner Anteile an der Genossenschaft. Mit diesen Anteilen erkaufen sie sich ein dauerhaftes Wohnrecht. Monatliche Miete fĂ€llt keine an – nur eine geringe Betriebskostenpauschale fĂŒr Instandhaltung und GemeinschaftsflĂ€chen.

„Uns war klar, dass der normale Wohnungsmarkt fĂŒr Menschen wie uns nicht mehr funktioniert", sagt GrĂŒndungsmitglied Elisabeth Hartl, 52, Lehrerin. „Wir hatten keine Lust, den Rest unseres Lebens dafĂŒr zu arbeiten, dass jemand anderes Immobilienvermögen aufbaut." Also haben sie selbst gebaut – im doppelten Sinne des Wortes.

Wie funktioniert das Modell genau?

Das Modell unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Wohngenossenschaften. In klassischen Genossenschaftsmodellen wird Miete gezahlt, die Dividenden fĂŒr Genossenschaftsmitglieder finanziert. In Höhenrain hingegen fließen alle Einnahmen ausschließlich in den Erhalt der GebĂ€ude. Eine Renditeerwartung gibt es nicht – das ist Absicht, nicht Zufall.

Die Mitglieder leisten beim Einzug einen sogenannten Genossenschaftsanteil, der sich am Wert ihrer Wohnung orientiert und langfristig zurĂŒckgezahlt wird, wenn sie ausziehen. Im Gegenzug zahlen sie keine monatliche Miete. „Wer einzieht, bringt Kapital mit – aber kein ĂŒbermĂ€ĂŸiges. Wir haben Modelle entwickelt, die auch fĂŒr Menschen funktionieren, die nicht ĂŒber Eigenkapital verfĂŒgen", erklĂ€rt Hartl.

🔒

Dieser Artikel ist fĂŒr Mitglieder

Kann dieses Modell bundesweit skaliert werden? Und warum tut die Politik so wenig? Firespill-Mitglieder lesen alle Artikel vollstÀndig.

Jetzt 30 Tage kostenlos testen

Danach ab 7,90 € / Monat · Jederzeit kĂŒndbar

Gute Nachrichten Wohnen Genossenschaft Bayern Wohnungsmarkt Gemeinschaft